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Nachruf Dr. Tomas Gonzales

Montero/Bolivien (gest. 10.06.21)

Nachruf Dr. Tomas Gonzales

Mein lieber Tomas,
intimer Freund und Seelenbruder, nun bist Du also doch gegangen, ohne dass wir uns noch einmal  wiedergesehen haben. Wie haben wir alle für Dich gebetet und gebangt, umsonst, Dein Schicksal wollte es anders, Covid hat auch Dich besiegt. Aber ich hoffe inständig, dass Du gespürt hast, wie sehr ich und wir an Deiner Seite gestanden haben, wie wir versucht haben, sei es auch nur mit finanziellen Mitteln, Dich zurück zu holen.

Als ich Dich kennenlernte warst Du ein Landarzt, der mit Motorrad und Aktentasche (die Du bis zuletzt noch hattest) die Menschen weit um Deine Heimatstadt Montero herum besuchte und behandelte. Ich durfte Dich oft dabei begleiten, und immer wieder habe ich Dir gesagt, wie sehr Du mich dabei beeindruckt hast: Deine Hingabe und Liebe zu den Kranken, die Dir anvertraut waren, habe ich so nie wieder bei jemandem gesehen, und Du hast sie Dir bis zuletzt unverändert erhalten. Ich konnte und kann da nicht mithalten, das war so einzigartig.

So war es für Dich eine Frage der Ehre, nicht des Geldes, als ich Dich vor mehr als 25 Jahren  fragte, ob Du nicht ein Projekt der Bolivienhilfe übernehmen könntest. Du hast sofort zugesagt, obwohl Du überhaupt keine Ahnung davon hattest, wie es funktionieren sollte. Auch als es später darum ging,  ein für die Bolivienhilfe eigenes Heim für an Tuberkulose erkrankte Landarbeiter aufzubauen, warst Du Feuer und Flamme für diese Idee. Du hast sie dann umgesetzt, ein wenig chaotisch, wie es so Deine Art war, aber höchst effektiv, und hast diesen Ort der Zuflucht und Heilung bis zuletzt zusammen mit Deiner Frau Chelli mit Leib und Seele betreut. Viele Dankesbriefe der Gewerkschaften und Patienten, die ärmsten der Armen, zeugen von Deinem Engagement und Deiner Liebe zu diesen Menschen, denen Du unendlich fehlen wirst.
Ich durfte mehr als dreißig Jahre Mitglied Deiner Familie, die Dir alles bedeutete, sein, als Dein Bruder und Patenonkel von zwei Deiner Mädchen. Ich habe Deine Kinder wachsen und älter werden sehen, sie wurden schon selbst inzwischen Eltern, und Dein Haus war für alle immer offen für Kind und Kegel, und es war eigentlich immer übervoll. Du warst ihr großes Vorbild als Vater und Arzt, und ich durfte mit Deiner Hilfe ihr Onkel und Mentor sein.

Immer, wenn ich in Bolivien war, haben wir jeden Abend und die Wochenenden zusammen verbracht, das war einfach selbstverständlich. Ich habe Deine Begleitung so genossen, Deine Witze und Anekdoten, die Du immer wieder und immer anders erzählt hast. Deine Nöte und Probleme  zuhause und in der Arbeit waren auch meine, und zusammen haben wir nach tiefgründigen Gesprächen darüber auch wieder gelacht. Und Dank der modernen Videotelefonie konnten wir das auch weiter so machen, nur in den Arm nehmen konnten wir uns nicht und werden es auch nie wieder können.

Ich weiß: am liebsten würdest Du Dich dafür entschuldigen, dass Du so ohne noch was zu sagen gegangen bist, so warst Du nun mal. Aber wir und ich können noch etwas sagen: wir vermissen Dich so sehr, als Mensch und Arzt, als Helfer und Heiler, als Freund und Bruder. Ich selbst werde Deiner Familie wie bisher auch immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, das ist mein Versprechen, welches ich Dir schon vor vielen Jahren gegeben habe.

Tiefer Dank und uneingeschränkte Anerkennung für all Dein Schaffen

Dein Ralf und alle von der Bolivienhilfe
 


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